Windows VSTs auf Linux

Die quelloffene Plattform Linux hat nachwievor ein paar Defizite im Bereich der Software-Verfügbarkeit. Speziell für den Bereich der Musikproduktion ist – im Vergleich zu Windows und macOS – relativ wenig verfügbar, da die Hersteller von VST Plugins sich nicht die Mühe machen, Plugins auch auf die Linux-Plattform zu bringen.

Das macht aber nichts. In diesem Artikel erkläre ich Dir, wie Du einen grossen Teil von Plugins, die eigentlich für Windows gedacht sind, auf Linux zum Laufen bekommst. Wir bedienen uns dabei einer zentralen und kostenlosen Komponente: dem Kompatibilitäts-Layer Wine, mit dem man Windows-Programme auf Linux benutzen kann.

Dinge, die Du brauchst:

  • Ein aktuelles Linux, wie Ubuntu, Linux Mint, OpenSUSE, Arch, etc.
  • Wine – der Windows-Kompatibilitätslayer, und Winetricks
  • LinVST – kostenlose und quelloffene Windows nach Linux VST Bridge
  • Windows VST Plugins

Wine

Dieses Paket sollte in nahezu allen modernen Linux-Fassungen zur Verfügung stehen. Wenn Du noch nicht weisst, was Wine ist, schaue einmal hier nach. Je nach Distribution kannst Du Wine entweder durch den Paketmanager installieren, oder auch per Konsole nachrüsten. Der Befehl ist für jede Distribution anders.

Bei Ubuntu / Debian / Mint:

sudo apt-get install wine-stable winetricks

Arch Linux / Antergos:

sudo pacman -S wine winetricks


Sobald die Installation abgeschlossen ist, solltest Du Wine einmal anstarten, damit Du einen Ausgangspunkt hast. Dafür ist wineboot unser Befehl der Wahl:

wineboot -u

Solltest Du hier schon eine Meldung bekommen, dass das „wine-mono“-Paket fehlt, klicke hier auf „Abbrechen“. Das ist zunächst nicht benötigt.

Die nachfolgende Abfrage, sollte sie kommen, in der es um „wine-gecko“ geht, kannst Du installieren. Diese Komponente wird manchmal benötigt.

Und anschliessend noch, um ganz sicher zu gehen:

wineserver -k

Da einige Plugins die Standard-Schriftarten von Windows verwenden, die aber bei Wine nicht mitgeliefert werden, bedienen wir uns dem Tool winetricks, das Du vorhin schon installiert hast. Der Befehl ist ganz einfach:

winetricks corefonts

Die Schriftarten werden nun direkt von Microsoft heruntergeladen und in Deine Wine-Installation integriert. Das dauert einen Moment.

Als nächstes brauchen wir auch die Visual-C Runtimes – jeweils von 2013 und 2015. Beide kannst Du mit diesen Befehlen (nacheinander eingeben!) beziehen:

winetricks vcrun2013
winetricks vcrun2015

In beiden Fenstern das Häkchen antickern, und die Installation bestätigen.

Wenn das fertig ist, auch hier zur Sicherheit:

wineserver -k

UPDATE!

Das Installieren von vcrun2013 und vcrun2015 ändert die emulierte Windows-Version auf XP. Die meisten Plugins funktionieren nicht in diesem Modus und werden entweder Eure DAW oder alle Plugins zum Abstürzen bringen.

Führe deswegen folgenden Befehl aus:

winetricks win7

Die Einrichtung von Wine ist damit abgeschlossen. Es geht weiter mit der Einrichtung von LinVST – der Windows VST nach Linux VST Bridge.

LinVST

Diese Bridge beziehst Du von GitHub, und übersetzt Du in ein Programm damit es funktioniert. Das klingt schwierig und komplex, ist aber sehr schnell erledigt.

Als erstes brauchst Du git:

Ubuntu / Mint / Debian: sudo apt-get install git
Arch / Antergos: sudo pacman -S git

Ich empfehle Dir ein Verzeichnis zu erstellen, in das Du den Quellcode herunterlädst, und zusammenbaust. Beispielsweise:

mkdir GitCode

Ausgehend davon, dass Du das Verzeichnis GitCode genannt hast, wechsele nun dort hinein:

cd GitCode

Und jetzt beziehe den Code von LinVST mit folgendem Befehl:

git clone https://github.com/osxmidi/LinVst.git

Das erzeugt ein neues Verzeichnis: LinVst . In dieses musst Du nun auch hineinwechseln:

cd LinVst

VST-Plugins kommen in 32- und 64-bit Varianten. Da Du Dir niemals sicher sein kannst, in welcher Fassung Du ein Plugin beziehen kannst, wäre es empfehlenswert, dass Du beide Fassungen ansprechen und benutzen kannst.

LinVST hat eine Makefile dafür – also Instruktionen wie das Programm erstellt werden soll. Die bestehende Makefile (die, soweit ich weiss, nur für 32-bit ist), solltest Du umbenennen – aber nicht löschen:

mv Makefile Makefile_ORIG

Jetzt benennst Du die gewünschte Makefile für beide Fassungen um:

mv Makefile-emded-6432 Makefile

!!! WICHTIG !!!

Damit Du LinVst für 32- und 64-bit Plugins kompilieren kannst, brauchst Du auch:

  • Xorg development libraries
  • GCC und G++ – normal und 32-bit
  • Wine-devel und -devel32 (wineg++ ist da drinnen)

Schaue dazu einmal nach, wie genau die Pakete für Deine Distro heissen. Die Namen der Pakete sind teilweise sehr unterschiedlich. Ohne diese Pakete kannst Du LinVst mit dem nächsten Schritt nicht kompilieren.

Jetzt kannst Du das Programm zusammenstellen und bauen. Der Befehl ist wirklich einfach und kann man sich sogar merken:

make

Ich empfehle Dir auch, das ganze auf System-Ebene zu installieren:

sudo make install

In manchen Situationen wird die erzeugte Bibliothek-Datei (Library) nicht an die richtige Stelle gesetzt, damit eine Umwandlung funktioniert. Es ist deswegen vielleicht erforderlich, dass Du im System ein bestimmtes Verzeichnis erstellst, und die Bibliothek dort hineinkopierst:

sudo mkdir /usr/share/LinVst
sudo cp linvst.so /usr/share/LinVst

Im Unterverzeichnis „convert“ des LinVST-Quellverzeichnis befindet sich ein Python-Skript, mit dem Du ein Windows Plugin für Linux zugänglich machst. Ich empfehle Dir ein kleines Script zu erstellen, um Dir das Leben einfacher zu machen.

Ausgehend davon, dass sich das Script in Deinem home-Ordner unter GitCode befindet, würde ein Script so aussehen:

#!/bin/bash

$HOME/GitCode/LinVst/convert/pylinvstconvert $1

Das $1 am Ende steht für den Pfad zur DLL-Datei, also das VST-Plugin, dass Du konvertieren möchtest. Speichere das Skript unter einem Namen Deiner Wahl, an einem Order Deiner Wahl, ab.

Das Script muss noch als ausführbar markiert werden:

chmod 755 /Pfad/zu/Deinem/Script

Du kannst Dir nun dieses Script in einer Konsole aufrufen, gefolgt von dem Pfad zu einem VST-Plugin – und es wird eine .so-Datei mit dem selben Namen erzeugt.

Beispiel:

DAW-Einstellung

Öffne die Einstellungen in Deiner DAW und füge den Pfad zu den Windows-Plugins an die entsprechende Stelle in den Einstellungen hinzu. In meinem Beispiel ist das Bitwig Studio. Hier sieht es so aus:

Füge einen Instrument-Track hinzu. In diesem Beispiel handelt es sich um einen Synthesizer, also ein virtuelles Instrument. Wähle das Plugin aus. Bei Bitwig geht das Plugin-Fenster direkt auf, und stellt sich so dar:

Performance

Solange sich die Plugins an das etablierte VST 2 oder 3 Format von Steinberg halten, habe ich in der Leistung und Geschwindigkeit keine Einbußen feststellen können. Alles sollte so funktionieren, wie Du es von dem Plugin gewohnt bist.

Lasse mich hier in den Kommentaren wissen, ob Du Schwierigkeiten hast, ob alles geklappt hat, und welche Plugins Du zum Laufen bekommen hast!

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